Mittwoch, 26. August 2009
Die Augen rechts!
Ich experimentiere ein wenig mit Twitter als Nachrichtenmedium. Weil der Radsport so grandios ist, wird er zum Pilotprojekt. Auf der rechten Seite findet ihr stets die neuesten Einträge, alternativ kann man mir auch bei Twitter selbst folgen.
Dienstag, 25. August 2009
Donnerstag, 2. Juli 2009
Schmach mit der Oma
Tag drei. Schon beim Aufstehen tut alles weh. Der Sonnebrand zieht auf der Haut, die Oberschenkel schreien förmlich bei jedem Tritt. Nur noch einmal quälen. 30 Kilometer den Berg hinauf, den Croix de Fer. Mein Fahrrad kommt nach Hause.
Gleich hinter dem Hotel weist das Schild nach rechts. Eine breite Straße zieht sich schnurgerade den Berg hinauf. Mit durchschnittlich über acht Prozent Steigung. Die Sonne brennt noch unbarmherziger als am Tag zuvor. Schon nach zehn Minuten tropft mir der Schweiß aus dem Nacken und fällt kühlend auf meine Unterarme. Die Hitze ist unerträglich. Nach drei Kilometern ist die halbe Trinkflasche leer. Und meine Beine auch. Ich habe das Telefon in der Hand. Nur ein paar Ziffern muss der Daumen drücken, dann bin ich erlöst. Doch der Daumen will nicht.
Nach vier Kilometern zeigt der Berg sich gnädig. Bäume spenden Schatten, es geht rauschend bergab. Der Fahrtwind streicht über den nassen Rücken. Doch die Freude währt nur kurz. Eine Brücke, eine scharfe Linkskurve und wieder zehn Prozent. Die Sonne hat freie Schussbahn. Ich erblicke einen Leidensgenossen vor mir. Tief über den Lenker gebeugt, tritt er in die Pedale. Er fährt zick-zack. Den kauf ich mir. Wenigstens einer soll heute schlechter sein. Ich trete rein. 10, 10,5, 11, 11,5. Die virtuelle Tachonadel richtet sich gen Norden.
Nach zwei Kilometern bin ich dran, fahre vorbei und will am liebsten vor Scham umkehren. Der Zick-Zack-Fahrer ist eine Frau. So um die 60. Eine Oma. Meine letzte Kraft dahin, die letzte Trinkflasche geleert, die Reserve-Cola auf ex gekippt. Und alles für die Oma. Ich radle vorbei. Geschockt. Gedankenlos.
Es geht eben bis leicht steigend durch das Tal. Endlich eine Wasserstelle. Ich halte an, fülle die Trinkflaschen an einem Trog. Die Oma schießt vorbei. Ich trete widerwillig weiter. Nur noch zehn Kilometer. Im Ort vor dem letzten Steilstück steht die Oma. Füllt die Bidons an einer Quelle. Ich halte an. Meine Flaschen sind wieder leer. Wir kommen ins Gespräch. Sie auf französisch, ich auf englisch. Mit Händen und Füßen folgt der Rest. Wir reden zu 90 Prozent aneinander vorbei. Ich wünsche ihr noch viel Glück und fahre los. Will schließlich vor ihr oben sein.
Die Steigung im Ort ist brutal. Durchgehend zweistellig zieht sich der Weg Richtung Pass. Zwei Kilometer vor dem Col ist es aus. Minutenlang hänge ich über dem Lenker, zwinge mit tiefen Atemzügen die Luft in die geplagten Lungen. Eine Frau, um die 50, zieht mit lockerem Tritt an mir vorbei. Sie ruft noch: "Allez courage!" Das habe ich gebraucht. Langsam aber mit lockerem Tritt geht es zum Eisernen Kreuz. Der Pass ist unscheinbar, liegt nach einer Rechtskurve zwischen zwei Felswänden plötzlich vor einem. Ein schnelles Foto und dann hinunter. Wahsinnsabfahrt. Wunderschön. Mit Blick auf den Mont Blanc. Tausendprozentig.
Gleich hinter dem Hotel weist das Schild nach rechts. Eine breite Straße zieht sich schnurgerade den Berg hinauf. Mit durchschnittlich über acht Prozent Steigung. Die Sonne brennt noch unbarmherziger als am Tag zuvor. Schon nach zehn Minuten tropft mir der Schweiß aus dem Nacken und fällt kühlend auf meine Unterarme. Die Hitze ist unerträglich. Nach drei Kilometern ist die halbe Trinkflasche leer. Und meine Beine auch. Ich habe das Telefon in der Hand. Nur ein paar Ziffern muss der Daumen drücken, dann bin ich erlöst. Doch der Daumen will nicht.
Nach vier Kilometern zeigt der Berg sich gnädig. Bäume spenden Schatten, es geht rauschend bergab. Der Fahrtwind streicht über den nassen Rücken. Doch die Freude währt nur kurz. Eine Brücke, eine scharfe Linkskurve und wieder zehn Prozent. Die Sonne hat freie Schussbahn. Ich erblicke einen Leidensgenossen vor mir. Tief über den Lenker gebeugt, tritt er in die Pedale. Er fährt zick-zack. Den kauf ich mir. Wenigstens einer soll heute schlechter sein. Ich trete rein. 10, 10,5, 11, 11,5. Die virtuelle Tachonadel richtet sich gen Norden.
Nach zwei Kilometern bin ich dran, fahre vorbei und will am liebsten vor Scham umkehren. Der Zick-Zack-Fahrer ist eine Frau. So um die 60. Eine Oma. Meine letzte Kraft dahin, die letzte Trinkflasche geleert, die Reserve-Cola auf ex gekippt. Und alles für die Oma. Ich radle vorbei. Geschockt. Gedankenlos.
Es geht eben bis leicht steigend durch das Tal. Endlich eine Wasserstelle. Ich halte an, fülle die Trinkflaschen an einem Trog. Die Oma schießt vorbei. Ich trete widerwillig weiter. Nur noch zehn Kilometer. Im Ort vor dem letzten Steilstück steht die Oma. Füllt die Bidons an einer Quelle. Ich halte an. Meine Flaschen sind wieder leer. Wir kommen ins Gespräch. Sie auf französisch, ich auf englisch. Mit Händen und Füßen folgt der Rest. Wir reden zu 90 Prozent aneinander vorbei. Ich wünsche ihr noch viel Glück und fahre los. Will schließlich vor ihr oben sein.
Die Steigung im Ort ist brutal. Durchgehend zweistellig zieht sich der Weg Richtung Pass. Zwei Kilometer vor dem Col ist es aus. Minutenlang hänge ich über dem Lenker, zwinge mit tiefen Atemzügen die Luft in die geplagten Lungen. Eine Frau, um die 50, zieht mit lockerem Tritt an mir vorbei. Sie ruft noch: "Allez courage!" Das habe ich gebraucht. Langsam aber mit lockerem Tritt geht es zum Eisernen Kreuz. Der Pass ist unscheinbar, liegt nach einer Rechtskurve zwischen zwei Felswänden plötzlich vor einem. Ein schnelles Foto und dann hinunter. Wahsinnsabfahrt. Wunderschön. Mit Blick auf den Mont Blanc. Tausendprozentig.
Dienstag, 23. Juni 2009
Auf dem Dach
Abgase und der Geruch der frisch geteerten Straße kriechen in die Nase. Widerlich. Über fast zwölf Kilometer begleitet einen der Gestank, die Sonne brennt unbarmherzig vom knallblauen Himmel. Der Col du Telegraphe ist einfach nur im Weg. Und zwar in jeder Hinsicht. Im Weg, wenn man zum berühmten Col du Galibier fährt, im Weg, wenn man vom Galibier kommt. Im Weg, wenn man ins schmucke Skiörtchen Valloire will. Im Weg vor allem dann, wenn man am Tag zuvor auf dem Mont Ventoux war.

Der Telegraphe ist keine wirkliche Herausforderung, was natürlich noch mehr nervt. Auf den ersten drei Kilometern führt er noch recht steil aus St. Michel de Maurienne hinaus. Danach kann er sich nicht entscheiden. Mal ist es mehr und mal weniger steil. Mal ist es sogar topfeben. Man kann ihn gut durchfahren, wenn man zum Beispiel Wadenprobleme hat. Das ist aber auch schon alles.
Von Valloire aus sind es noch 17 Kilometer bis zum Galibier. Auf den ersten neun, relativ flachen und sogar mit einer kleinen Abfahrt versehenen Kilometern bekam ich die Quittung für mangelnde Ernährung. Arme und Beine zitterten. Ich war alle. Schnell eine Banane hintergewürgt, dazu ein Energiegel und einen halben Riegel. Die Vorräte waren damit aufgebraucht. Die Straße zieht sich entlang eines Flußes bis zum Ende des Tals. Die Steigung ist moderat. Vielleicht zwischen fünf und sieben Prozent.

Auf den letzten acht Kilometern schlägt der Berg zurück. Eine 180-Grad-Kurve nach rechts und der Spaß ist vorbei. Die Oberschenkel brennen. Jeden Kilometer eine Pause, so könnte es klappen. Und es klappt. Etwa sechs Kilometer vor dem Ziel sieht man den Pass. Die letzten Kehren schlängeln sich durch den Schnee und lassen nichts Gutes erahnen. Fünf von fünf roten Sternen kriegt er bei Quäldich, und die Jungs spaßen echt nicht. Bis zu 22 Prozent zeigt der Fahrradcomputer an. Die letzten Kräfte werden beim Fotografen verschwendet. Soll ja gut aussehen. Noch eine Pause und dann noch ein paar hundert Meter. Oben! 2645 Meter über dem Meer. Was ein Blick.
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