Mittwoch, 22. April 2009

Eine unbequeme Wahrheit

Dienstag, 21. April 2009

Achtbaan op Limburgs Moiste

Ich hätte heulen können. Das beschreibt meinen Erschöpfungszustand nach dem Amstel wohl treffend. So fertig war ich zuletzt nach dem Marathon und das ist bestimmt acht Jahre her. Das mir nach 90 der 125 Kilometer der Zahn gezogen wurde, lag eindeutig am Trainingsrückstand, den mir mein kranker Körper beschert hatte. Aber ich will keine Ausreden suchen.

Es war ein äußerst grandioses Rennen. Das Wetter war herrlich, die Landschaft entzückend und wo man auch hinsah, erblickte man Leute auf Fahrräder. Es war wirklich ein Volksfest. Nach einem kurzen Umweg - meine Mitfahrer hatten sich an einem Mädel festgesehen und wir bogen einmal falsch ab - erreichten wir den Start des Gold-Rennens und machten uns kurz nach neun auf den Weg. Faszinierend war die Zahl an Pannen. Auf der ganzen Strecke haben wir keinen Sturz gesehen, aber alle zwei Kilometer stand jemand am Rand und flickte seinen Reifen oder bastelte an der Schaltung rum. Unglaublich.

Nach einer kleinen Extra-Runde wurden wir nach 45 Kilometern mit den 100ern zusammengeführt und erwischten gleich eine gute Gruppe. Bis zum Verpflegungspunkt bei Kilometer 80 lief alles super, doch dann schlug mir die Kombination aus Rosinenbrötchen und Isostar gewaltig auf den Magen. Ich ließ mich gegenüber Ulf noch zu einem "Die letzten 45 reißen wir auf einer Arschbacke ab" hinreißen, um keine fünf Kilometer später zu verrecken.
Zu meinem Nachteil begann da erst die eigentliche Achterbahnfahrt durch Limburg. Nachdem mich ein etwa 70-Jähirger auf seinem Kettler Alu-Rad überholt hatte und mir moralisch den Zahn gezogen hatte, fand ich zu meinem Glück zwei Radlerinnen, die mir erholsamen Windschatten spendeten.
Doch lange währte das Glück nicht. Obwohl ich in der Ebene keinen Druck auf das Pedal bekam und auf dem Rad keine annähernd bequeme Position mehr fand, lief es in den Anstiegen super. Die Holländer fielen da weg wie die Fliegen, während ich mit meiner Dreifach-Kurbel zum Gipfel flog. Und so war ich wieder allein. Haarig wurde es kurz vor dem Ziel in einer Abfahrt, als ein Irrer die Straße überquerte und ich jenseits der Geschwindigkeitsgrenzen angeflogen kam. Mein Geschrei hat der bestimmt heute noch im Ohr.

Nach 4 Stunden 53 Minuten und 26 Sekunden stoppte die Uhr. Mit einem Schnitt von 25,6 km/h wurden 587,7 Höhenmeter bewältigt. Auf den letzten 35 Kilometer hatte ich den Schnitt noch ordentlich nach unten gedrückt. Während Ulf sich schon von der Security die erste Kippe erschnorrte, saß ich gedankenverloren auf dem Cauberg und dachte nur noch an die zwölf Kilometer lange Rückfahrt ins Hotel. Verdammter Mist. Meine Knie schmerzten höllisch, mein Hintern noch mehr und den Rücken spürte ich gar nicht mehr. Als kleinen Bonus goss es plötzlich wie aus Kübeln.

Drei Tage später sind die Qualen jedoch wieder vergessen und es juckt gewaltig, wieder aufs Rad zu steigen. Gestern habe ich das mal probiert. Bin nur kurz zum Supermarkt und zurück. Ich war völlig am Ende.

Samstag, 4. April 2009

Ronde, Omloop, Entzündung

Es ist ja wie verhext. Gerade schnippelt Grafite eine Hacke an drei verdutzten Bayern-Akteuren vorbei und ich schau nur mit einem Auge hin. Nicht sprichwörtlich, sondern weil ich ein Matschauge habe. Es fing mit einer kleinen wunden Stelle an und heute morgen, drei Tage später, war es rot, versifft und zugeschwollen. "Massive Bindehautentzündung" sagte Frau Doktor und alle zwei Stunden darf ich mir ein Antibiotikum in die Tasche, wie wir Fachtropfer sagen, geben.

Training ist für die nächsten Tage erstmal futsch, zumindest auf dem Rad. Mit einem Auge fährt es sich da schlecht. Die Auszeit kommt ungünstig, denn nach meinem Fiasko am vergangenen Sonntag, bin ich mittlerweile richtig gut drauf. Bei der Ronde van Schladitz legte ich am Dienstag auf den 60 Kilometern ebenso einen problemlosen 28er Schnitt auf den Asphalt wie auch zwei Tage später beim Omloop Het Grimma, da waren es 75 Kilometer. Gut, die nennenswerten Anstiege gab es da nicht, aber immerhin sollte ich mittlerweile wieder in der Lage sein, 100 Kilometer ohne Qual abzureißen. Die letzten 25 werden dann beim Amstel auch irgendwie gehen. Spätestens Mittwoch sitz ich wieder auf dem Bock, da kann das Auge machen, was es will. Jetzt muss ich aber erstmal zum Tropfen.

Sonntag, 29. März 2009

Hügelspielchen

Nach knapp 30 Kilometern fiel ich vom Rad. Wirklich gefallen bin ich natürlich nicht, mit einer kurzen Drehung des Fußgelenks befreite ich mich aus den Klickpedalen und kam zum Stehen. Knapp drei Minuten verbrachte ich über den Lenker gebeugt und hatte nur eines im Sinn:
Atmen. Meine erste Ausfahrt in die Hügel des Muldentals führte mich dann über weitere 50 Kilometer zurück nach Leipzig.

Die Tour gehörte zum Training für das Amstel Gold Race und öffnete mir gnadenlos die Augen über meinen körperlichen Zustand. Drei Kilometer nach dem Start in Bad Lausick merkte ich, dass ich mein GPS anschalten musste, um die Aufzeichnung zu beginnen. Toller Start, den ersten Anstieg glaubt mir also keiner.

Relativ erträglich führte die Strecke über eine wunderbar ausgebaute und spärlich befahrene Bundesstraße ins berühmte Colditz (siehe: Schloss, 2. Weltkrieg, Briten, Ausbruch). Dort ging die Plackerei dann schon los. Die nächsten zehn Kilometer zum Wendepunkt Rochlitz ruinierten mir bereits gewaltig den Tag. Ich habe nichts gegen kleine Hügel, nur wenn es danach kurz runter geht, um mich dann ebenso steil wieder bergauf zu jagen, nervt das. Nach drei Anstiegen war ich kaputt, quälte mich nach Rochlitz und schob mir in Pause Nummer eins den ersten Riegel rein.

Frisch motiviert ging es zurück Richtung Colditz bis zu jenem, oben beschriebenen Vorfall. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass die Steigung an jener Stelle fast 20 Prozent betrug. Nachdem ich mich einen weiteren Hügel dank meiner Dreifach-Kurbel hinaufgeschleppt hatte, sagte Gehirn an Körper: Abbruch, Abbruch. Der Körper gehorchte und ich zuckelte zurück nach Bad Lausick, was ich nach etwa 50 Kilometern auch tatsächlich erreichte. Zurück ins Leipziger Tiefland wehte mir auch noch die ganze Zeit der Wind um die Nase. Nicht stark, aber für mich durchaus ausreichend. Außerdem fand ich keine annährend bequeme Sitzposition auf dem Rad mehr. Ständig wechselte ich die Handpositionen, so dass mir bald die Schultern wehtaten.

Nach einer weiteren Atempause bei Kilometer 65 schoss ich mit einem waghalsigen 23er Schnitt Richtung Leipzig. Mich überkamen wahre Glücksgefühle, als sich plötzlich das Völkerschlachtdenkmal vor mir auftürmte. Jetzt tut mir alles weh. Am Dienstag geht es wieder aufs Rad.

Montag, 2. März 2009

One gear only

Lange nicht gemeldet, Asche auf mein Haupt. Aber ich hatte viel zu tun. Leider nicht mit dem Training. Nachdem der Januar der Witterung zu einem großen Teil zum Opfer fiel, war es im Februar die Arbeit. Dabei ging der Monat gut los. Jedoch lediglich, um dann stark nachzulassen. Habe zwei Wochen ohne freien Tag durchgearbeitet und hatte wirklich keine Lust aufs Laufen.

Die Fortbewegung wird jetzt ohnehin immer mehr auf das Rad umgestellt. Gestern habe ich die Saison eröffnet. Mit vier Lagen Funktionsshirts und meiner hervorragenden Thermojacke machten die Temperaturen (5 Grad) keine Probleme. Ich bin 55 Kilometer geradelt, alles in einem Gang, ich wollte die Frequenz möglichst hoch halten. Die erste Hälfte war wirklich quälend, aber als dann auf dem Rückweg der Wind günstig blies, war es richtig schön.

Ich hoffe, dass das Wetter in den nächsten Wochen ein wenig mitspielt, denn das Amstel ist ja bereits in sechs Wochen. Da muss ich 125 hügelige Kilometer schaffen. Aus heutiger Sicht weiß ich echt noch nicht, wie das gehen soll. Eine gute Nachricht gibt's auch: Ulf, Markus und Jesko haben Dank unermüdlichen Einsatzes des Erstgenannten noch eine Startnummer bekommen. Es wird jetzt wohl doch eher ein Rennen, als eine gemütliche Touristenrunde.