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Nach knapp 30 Kilometern fiel ich vom Rad. Wirklich gefallen bin ich natürlich nicht, mit einer kurzen Drehung des Fußgelenks befreite ich mich aus den Klickpedalen und kam zum Stehen. Knapp drei Minuten
verbrachte ich über den Lenker gebeugt und hatte nur eines im Sinn:Atmen. Meine erste Ausfahrt in die Hügel des Muldentals führte mich dann über weitere 50 Kilometer zurück nach Leipzig.
Die Tour gehörte zum Training für das Amstel Gold Race und öffnete mir gnadenlos die Augen über meinen körperlichen Zustand. Drei Kilometer nach dem Start in Bad Lausick merkte ich, dass ich mein GPS anschalten musste, um die Aufzeichnung zu beginnen. Toller Start, den ersten Anstieg glaubt mir also keiner.
Relativ erträglich führte die Strecke über eine wunderbar ausgebaute und spärlich befahrene Bundesstraße ins berühmte Colditz (siehe: Schloss, 2. Weltkrieg, Briten, Ausbruch). Dort ging die Plackerei dann schon los. Die nächsten zehn Kilometer zum Wendepunkt Rochlitz ruinierten mir bereits gewaltig den Tag. Ich habe nichts gegen kleine Hügel, nur wenn es danach kurz runter geht, um mich dann ebenso steil wieder bergauf zu jagen, nervt das. Nach drei Anstiegen war ich kaputt, quälte mich nach Rochlitz und schob mir in Pause Nummer eins den ersten Riegel rein.
Frisch motiviert ging es zurück Richtung Colditz bis zu jenem, oben beschriebenen Vorfall. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass die Steigung an jener Stelle fast 20 Prozent betrug. Nachdem ich mich einen weiteren Hügel dank meiner Dreifach-Kurbel hinaufgeschleppt hatte, sagte Gehirn an Körper: Abbruch, Abbruch. Der Körper gehorchte und ich zuckelte zurück nach Bad Lausick, was ich nach etwa 50 Kilometern auch tatsächlich erreichte. Zurück ins Leipziger Tiefland wehte mir auch noch die ganze Zeit der Wind um die Nase. Nicht stark, aber für mich durchaus ausreichend. Außerdem fand ich keine annährend bequeme Sitzposition auf dem Rad mehr. Ständig wechselte ich die Handpositionen, so dass mir bald die Schultern wehtaten.
Nach einer weiteren Atempause bei Kilometer 65 schoss ich mit einem waghalsigen 23er Schnitt Richtung Leipzig. Mich überkamen wahre Glücksgefühle, als sich plötzlich das Völkerschlachtdenkmal vor mir auftürmte. Jetzt tut mir alles weh. Am Dienstag geht es wieder aufs Rad.
Lange nicht gemeldet, Asche auf mein Haupt. Aber ich hatte viel zu tun. Leider nicht mit dem Training. Nachdem der Januar der Witterung zu einem großen Teil zum Opfer fiel, war es im Februar die Arbei
t. Dabei ging der Monat gut los. Jedoch lediglich, um dann stark nachzulassen. Habe zwei Wochen ohne freien Tag durchgearbeitet und hatte wirklich keine Lust aufs Laufen.
Die Fortbewegung wird jetzt ohnehin immer mehr auf das Rad umgestellt. Gestern habe ich die Saison eröffnet. Mit vier Lagen Funktionsshirts und meiner hervorragenden Thermojacke machten die Temperaturen (5 Grad) keine Probleme. Ich bin 55 Kilometer geradelt, alles in einem Gang, ich wollte die Frequenz möglichst hoch halten. Die erste Hälfte war wirklich quälend, aber als dann auf dem Rückweg der Wind günstig blies, war es richtig schön.
Ich hoffe, dass das Wetter in den nächsten Wochen ein wenig mitspielt, denn das Amstel ist ja bereits in sechs Wochen. Da muss ich 125 hügelige Kilometer schaffen. Aus heutiger Sicht weiß ich echt noch nicht, wie das gehen soll. Eine gute Nachricht gibt's auch: Ulf, Markus und Jesko haben Dank unermüdlichen Einsatzes des Erstgenannten noch eine Startnummer bekommen. Es wird jetzt wohl doch eher ein Rennen, als eine gemütliche Touristenrunde.

Da hat der Holländer wohl die Verbreitung dieses neuartigen Dings namens Internet völlig unterschätzt. Innovativ wie er ist, erlaubte er Online-Anmeldungen für das Jedermann-Rennens seines liebsten Klassikers - dem Amstel Gold Race. Gut zwei Wochen hat es 2008 gedauert, bis der letzte der 12.000 Startplätze verkauft war. Aber das war letztes Jahr.
Nun entschuldigte sich der Oranje schon nach knapp 30 Stunden dafür, dass alle Plätze vergeben sind. Die Seite war während dieser zeit kaum bis gar nicht erreichbar und so dachten sich viele Radler, dass sie ja noch Zeit haben und es später noch einmal versuchen können.
Doch es gab eben kein später. Auch nicht für Markus, Jesko und Ulf. Meine Mitfahrer müssen wohl zu Hause bleiben und ich kann mich gar nicht darüber freuen, dass ich noch eine Anmeldung bekommen habe. Nun wird der 18. April für mich zu einem gemütlichen Ausflug über 125 Kilometer über die gefürchteten Hügel Limburgs.
Das Beste, der 22 Prozent steile Keutenberg, baut sich großzügigerweise erst dann vor einem auf, wenn man schon 100 Kilometer in den Beinen hat. Aber das ist nun mangels Konkurrenz nicht mehr so schlimm. Ich werde gemütlich in die Pedale treten, meine Kamera mitnehmen und die leidenden Holländer filmen. Und das alles kommt dann ins Internet - sozusagen als Rache des kleinen Mannes.
Im Dezember bin ich etwas vom Gas gegangen. Schuld waren meine Faulheit und das Wetter. Letzteres lässt auch momentan kaum einen Lauf zu, so dass der Januar wohl noch desaströser wird. Hmmmm....
Die zahlreichen Stunden im Kraftraum mal nicht mitgerechnet...